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Neue OP-Methode zur Behandlung des unwillkürlichen Harnabganges bei Männern

OA Dr. Peter GebhartlDer unwillkürliche Harnabgang – im Volksmund oftmals auch als „schwache Blase“ bezeichnet – wird in der breiten Öffentlichkeit noch vielerorts als typische „Frauenkrankheit“ angesehen. Dabei ist er das keineswegs: Allein in Oberösterreich sind rund 50.000 Männer von der so genannten Inkontinenz betroffen, doch viele verdrängen dieses Leiden nach wie vor oder nehmen es als unabänderliches Schicksal hin. „Es ist an der Zeit, den seit vielen Jahren bestehenden Tabu-Charakter der männlichen Inkontinenz abzulegen und über die Krankheit zu sprechen, denn es gibt Hilfe“, appelliert OA Dr. Peter Gebhartl von der Abteilung für Urologie des LKH Vöcklabruck an betroffene Männer. Er wendet seit kurzem als einer der ersten Operateure in Oberösterreich eine neue Methode an, die den unfreiwilligen Harnabgang dauerhaft stoppt.

Im Gegensatz zu Frauen tritt die Inkontinenz bei Männern (sowohl mit Drangsymptomatik, als auch bei Belastung) erst mit zunehmendem Alter, in etwa um das 60. Lebensjahr, auf. Die Belastungsinkontinenz ist meist die Folge einer Operation an der Prostata. Durch die Entfernung der Vorsteherdrüse reicht die Funktion des Schließmuskels nicht mehr aus und dies führt dann zur so genannten Belastungsharninkontinenz. Aufgrund der Schwächung des Verschlussmechanismus der Blase kommt es daher beim Lachen, Husten oder Niesen zum unkontrollierten Harnabgang. „Zuerst versuchen wir natürlich, die Krankheit mit speziellen Behandlungsmethoden wie beispielsweise Beckenbodengymnastik, Stromtherapie oder Biofeedback in den Griff zu bekommen. Bringen diese konservativen Maßnahmen jedoch nicht den gewünschten Erfolg, besteht die Möglichkeit einer Operation“, erklärt OA Gebhartl, der seit kurzem sehr erfolgreich eine neue Operationsmethode anwendet.

Dieser so genannte „minimal invasive“ Eingriff dauert in etwa 30 Minuten und ist für den Patienten besonders schonend.
Auch der kosmetische Aspekt kann sich sehen lassen: Aufgrund der kleinen Schnitte bleiben keine sichtbaren Narben zurück. OA Gebhartl über den konkreten Ablauf der Operation: „Der Eingriff erfolgt über den Damm, wobei wir links und rechts einen Schnitt von je einem Zentimeter machen. Anschließend setzen wir an beiden Seiten der Harnröhre Ballonimplantate aus Silikon ein  (proAct System), die mit wenigen Millilitern Kontrastmittel aufgefüllt werden. Die Ventile, über die wir die Flüssigkeit einspritzen, werden im Hodensack so zusagen ,versteckt’ und sind von außen nicht sichtbar. Nach dem Eingriff kommt der Patient in Abständen von einigen Wochen regelmäßig zu uns, um die Ballonimplante weiter auffüllen zu lassen. Dafür ist jedoch kein operativer Eingriff mehr nötig – der Urologe ertastet einfach das Ventil unter der Hodensackhaut und injiziert die Flüssigkeit. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis der unwillkürliche Harnabgang vollständig gestoppt ist. Das Implantat selbst bleibt  ein Leben lang im Körper.“

Obwohl die Harninkontinenz einen Großteil der Betroffenen schwer belastet, schweigen viele Männer aus falschem Schamgefühl, anstatt ihre Beschwerden einem Arzt mitzuteilen. „Die männliche Inkontinenz ist ein äußerst emotionales Thema, das nicht nur die Psyche schwer belastet, sondern oftmals eine soziale Isolation mit sich bringt. Es gibt heute bereits erfolgreiche, schmerzfreie Behandlungsmethoden die jedem Mann zugänglich sind. Inkontinenz ist kein unabänderliches Schicksal, das einfach hingenommen werden muss. Je früher Betroffene mit einem Arzt ihres Vertrauens darüber sprechen, desto besser und schneller kann ihnen geholfen werden“, so Dr. Gebhartl abschließend.