Gesundheit mit System

Servicemenü:
LKHLogo LKH Vöcklabruck

 

Nieren- und Harnleitersteine (Urolithiasis)

Allgemeines

Das Harnsteinleiden ist eine Erkrankung, die in unserem Kulturkreis etwa fünf Prozent der Bevölkerung betrifft, wobei Männer doppelt so häufig Steine haben wie Frauen. Zu deren Entstehung kommt es durch das Ausfallen von Substanzen, die normalerweise im Harn gelöst sind, vor allem bedingt durch eine zu geringe Flüssigkeitsaufnahme. Auch die Ernährung, wiederholte Harnwegsinfekte, Stoffwechselerkrankungen und verschiedene andere Faktoren spielen eine Rolle. Die Steine können dabei eine Größe von wenigen Millimetern bis zu mehreren Zentimetern erreichen.

Symptome

Viele Konkremente (Steine) bleiben unbemerkt oder werden nur zufällig im Rahmen anderer Untersuchungen entdeckt, andere verursachen hingegen starke Beschwerden. Zumeist haben die Patienten erst dann Schmerzen, wenn  der Stein in den Harnleiter übertritt und der Harnabfluss dadurch behindert wird. Eine Nierenkolik äußert sich durch krampfartige Schmerzen im Flanken- und Unterbauchbereich, bei Steinen im unteren Harnleiter zusätzlich durch gehäuften Harndrang, nicht selten einhergehend mit Übelkeit und Brechreiz, gelegentlich auch mit blutigem Harn. Die meisten Steine gehen von selbst ab (gelegentlich sogar völlig unbemerkt), über einem Zentimeter Größe ist ein Spontansteinabgang unwahrscheinlich, medizinische Maßnahmen müssen ergriffen werden. Dies ist vor allem dann unverzüglich notwendig, wenn es neben einem Harnrückstau zu einer bakteriellen Infektion der Harnwege, einhergehend mit Fieber und Schüttelfrost mit der Gefahr einer Blutvergiftung oder bleibenden Nierenschädigung, kommt.

Steinarten

Meistens bestehen die Steine aus Kalzium-Oxalat (ca. 75%), seltener aus Harnsäure (etwa 15%), Kalzium-Phosphat (6-7%) oder Magnesium-Ammonium-Phosphat (Infektsteine, 10%), sporadisch aus Zystin (etwa 1%), wobei Harnsäuresteine in Gegenden mit hohem Fleischkonsum (v.a. Innereien), wie dem Innviertel, gehäuft auftreten. Insgesamt nimmt die Steinhäufigkeit in den westlichen Industrieländern in den letzten Jahrzehnten zu, in „armen“ Ländern hingegen sind Harnsteine deutlich seltener.  Geborgene Steine werden mit bestimmten Methoden analysiert, das Ergebnis ermöglicht eine gezielte Vorbeugung.

Diagnose

Häufig geben Vorgeschichte  (bereits früher Steine, Ernährungsgewohnheiten, ...), aktuelles Beschwerdebild  (typische Schmerzen) und Befunde (Blut im Harnstreifentest) bereits einen deutlichen Hinweis auf das Vorliegen von Harnsteinen, mit Ultraschall, Röntgen oder Computertomographie wird die Diagnose gesichert. Dabei erhält man Hinweise über Anzahl, Größe und exakte Lage, zudem kann eine Harnstauung oder ein Niereninfekt ausgeschlossen oder bestätigt werden.

Therapie

Erste Maßnahme zur Behandlung einer Nierenkolik ist die Verabreichung von Schmerzmitteln, nur in seltenen Fällen (infizierte Harnstauungsniere, medikamentös nur unzureichend zu behandelnde Schmerzen) wird eine sofortige Operation nötig. Eine Zertrümmerung der Steine kann von außerhalb des Körpers mittels Stoßwellen erreicht werden (ESWL – exrakorporale Stoßwellenlithotripsie), allerdings kommen nicht alle Patienten dafür in Frage. Wird das Konkrement beispielsweise vom Kreuzbein verdeckt, sodass es mit Ultraschall oder Röntgen nicht dargestellt werden kann, ist eine Entfernung mittels Harnleiterspiegelung (ureterorenoskopische Steinextraktion) unter Verwendung einer Schlinge eine andere Möglichkeit. Bei sehr großen Nierensteinen erfolgt deren Entfernung  durch ein Anpunktieren der Niere und eine Steinzerkleinerung durch eine Ultraschall- oder Stoßwellensonde (perkutane Nephrolitholapaxie), was jedoch seltener notwendig ist. Eine offene Steinoperation wird heute nur mehr in Ausnahmefällen durchgeführt. Harnsäure- und Zystinsteine können in manchen Fällen durch Verabreichung von Medikamenten aufgelöst werden (Chemolitholyse).

Entstehung und Vorbeugung

Wenn Substanzen, die auch normalerweise im Harn vorkommen, wie Kalzium, Phosphat oder Oxalat, in zu hoher Konzentration vorhanden sind, kann es zu einem Auskristallisieren und damit zur Steinbildung kommen. Das ist häufig dann der Fall, wenn ein Flüssigkeitsmangel (zu geringe Flüssigkeitszufuhr, Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen) besteht. Als wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung kann ausreichendes Trinken angesehen werden, wobei alkoholische Getränke, Bohnenkaffee und Limonaden nicht zu empfehlen sind. Hingegen sind kalziumarme und bicarbonatreiche Mineralwässer oder Früchte- und Kräutertees günstig.  Die Flüssigkeitszufuhr sollte mindestens zwei Liter täglich betragen, bei starkem Schwitzen entsprechend mehr. Dabei sollte die Flüssigkeit gleichmäßig über den Tag verteilt werden. Bei einseitiger Ernährung mit Milchprodukten kann es zu einem Überschuss von Kalzium im Harn kommen, bei dauernder eiweißreicher Ernährung (Fleisch- und Wurstwaren)  wird vermehrt Harnsäure gebildet und dadurch die Entstehung von Harnsäuresteinen begünstigt. Oxalsäure kommt in größeren Mengen in Spinat, Rhabarber, Schokolade sowie schwarzem und grünem Tee vor. Insgesamt ist eine ausgewogene Ernährung anzuraten, die Mischkost gilt als sinnvollste Ernährungsvariante zur Vermeidung des Entstehens/Wiederauftretens von Harnsteinen. Langdauernde Bettlägrigkeit (vermehrte Kalziumfreisetzung), Stoffwechselerkrankungen  wie eine Nebenschilddrüsenüberfunktion, bestimmte Darmerkrankungen (Colitis ulcerosa) oder auch das Fehlen bzw. der Mangel natürlicherweise im Harn vorkommender Steinbildungshemmer (z.B. Zitrat) gehen mit einem erhöhten Steinbildungsrisiko einher.

Schlussfolgerung

Über die Hälfte der Patienten mit Harnsteinleiden bekommen in ihrem Leben öfter als einmal Steine! Neben der Belastung für den Betroffenen (Schmerzen, Gefahr der Nierenschädigung, ...) stellt die Urolithiasis auch eine Belastung für das Gesundheitswesen (Krankenstände, Behandlungskosten,...) dar. Als sinnvollste vorbeugende Maßnahmen empfehlen wir Ihnen eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und eine ausgewogene Ernährung. Sollten Sie trotzdem „steinreich“ sein, stehen Ihnen an der urologischen Abteilung des Krankenhauses Vöcklabruck alle Methoden der Steintherapie zur Verfügung.