Erektile Dysfunktion (Potenzstörung)
Allgemeines
Viele Männer, auch schon in jungen Jahren, leiden unter mehr oder weniger stark ausgeprägten Potenzproblemen. Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten findet auch heute noch ein nur geringer Teil der Betroffenen den Weg zum Arzt. Zum einen ist das Thema Sexualität nach wie vor für viele tabu, zum anderen werden durch die mediale Präsentation Ansprüche und Erwartungen geweckt, die kaum zu erfüllen sind. In dieser Situation bieten die andrologisch tätigen Urologen betroffenen Männern die Möglichkeit, sich mit ihrem Problem bei Fachleuten Gehör zu verschaffen.
Definition
„Eine erektile Dysfunktion liegt vor, wenn in der überwiegenden Zahl der Versuche keine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion erzielt oder aufrechterhalten werden kann.“ (Masters & Johnson)
Die Gründe für eine erektile Dysfunktion (ED) mögen verschieden sein, der Leidensdruck der Betroffenen ist zumeist groß. Grundsätzlich wird zwischen einer primären (zufriedenstellender Verkehr war nie möglich) und einer sekundären ED (Potenzverlust) unterschieden. Neueren Untersuchungen zufolge sind in etwa 70% der Fälle
organische Leiden ursächlich, dem Rest liegen vor allem psychische Ursachen zugrunde, wobei häufig bei körperlicher Genese zusätzlich seelische Faktoren eine Rolle spielen und umgekehrt.
Häufigkeit und Ursachen
Sind Potenzprobleme unter dem dreißigsten Lebensjahr noch eher selten (5-7%) und in erster Linie psychischer Natur, treten mit zunehmendem Alter organische Ursachen in den Vordergrund. So haben etwa 50% aller über Fünfzigjährigen und schon 70% der Achtzigjährigen Potenzprobleme, meist basierend auf Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, erhöhtem Cholesterin, starkem Rauchen oder Alkoholmissbrauch. Auch Testosteronmangel (Mangel an männlichem Geschlechtshormon) oder die Einnahme bestimmter Medikamente kann verantwortlich sein für eine Erektionsstörung, ebenso die Abnahme des sexuellen Verlangens im Rahmen einer Depression, bei schlecht funktionierender Beziehung, beruflichem oder privatem Stress, Partner/innenwechsel, Versagensangst usw.. Auch Operationen im Becken, neurologische Erkrankungen oder Wirbelsäulenoperationen führen nicht selten zu einer ED. Häufig sind Potenzstörungen Vorboten einer ernsteren Herz-Kreislauferkrankung und sollten unbedingt ernst genommen werden.
Vorbeugung
Zur Vermeidung von Potenzproblemen kann jeder Mann selbst beitragen, indem er gesund lebt! Das der ED zugrunde liegende Problem ist häufig eine Gefäßschädigung, Risikofaktoren hierfür sind (und sollten deshalb vermieden werden): Rauchen, erhöhter Blutdruck, erhöhte Blutfette, Übergewicht, Bewegungsmangel, Stress, Zuckerkrankheit. Außerdem trägt eine intakte Beziehung, in der offen über alle, auch sexuelle Probleme, gesprochen werden kann, zu einem erfüllten Sexualleben bei.
Therapie
Falls es trotzdem zu Potenzproblemen kommt oder diese schon bestehen, ist in den allermeisten Fällen eine erfolgreiche Behandlung möglich. Die Entscheidung zur Therapie sollte immer auch in Absprache mit der Partnerin erfolgen. Bei leicht- bis mittelgradiger Erektionsstörung können Apomorphinpräparate, die am zentralen Nervensystem angreifen, verwendet werden (Ixense, Uprima). Seit einigen Jahren gibt es zur Behandlung der erektilen Dysfunktion ein Medikament (Abb. 1) namens Viagra aus der Gruppe der PDE5-Hemmer, seit letztem Jahr stehen mit Cialis und Levitra zusätzlich zwei Nachfolgemedikamente zur Verfügung. Diese Substanzen verbessern vor allem die Durchblutung im Penis und sind bei nahezu allen Arten der Impotenz erfolgreich einzusetzen (Erfolgsraten von 90% und mehr). Die Wirkung setzt etwa eine halbe Stunde nach der Einnahme ein und hält bei Viagra und Levitra sechs bis zehn Stunden an, bei Cialis bis zu 24 Stunden. Die Nebenwirkungsraten sind gering und für alle drei Medikamente in etwa vergleichbar, nur bei Einnahme bestimmter Herzmedikamente (Nitopräparate) dürfen sie nicht angewendet werden. Bei der Schwellkörperautoinjektionstherapie (SKAT) werden gefäßerweiternde Substanzen in den Penisschwellkörper eingespritzt, der Wirkungseintritt ist nach etwa zehn Minuten zu erwarten, die Wirkdauer beträgt etwa zwei Stunden. Das Einbringen gefäßerweiternden Minitabletten in die Harnröhre ist zwar anwenderfreundlicher als die Injektion, allerdings auch weniger gut wirksam. An mechanischen Hilfsmitteln finden Vakuumpumpen und Penisringe Verwendung, chirurgische Eingriffe wie Gefäßoperationen oder Schwellkörperimplantate sind nur in sehr seltenen Fällen (z.B. nach Unfällen mit Beckenverletzung) notwendig. Bei einem Mangel von Testosteron kann dieses auf verschiedene Arten dem Körper zugeführt und die aus dem Mangel resultierende Potenzstörung damit behandelt werden. Eine psychologische Beratung und Psychotherapie ist in allen Fällen der ED eine sinnvolle Begleitmaßnahme und sollte bei einer vorwiegend psychisch bedingten Erektionsstörung im Vordergrund stehen. Ebenfalls ergänzend angewendet werden können Beckenbodengymnastik und Elektrostimulationstherapie. Alternative Therapieansätze wie pflanzliche Medikamente, Homöopathie oder Akupunktur haben bis dato noch keinen gesicherten Stellenwert.
Sexuelle Mythen
Um das von den Medien gezeichnete und häufig nicht der Realität entsprechende Bild einer funktionierenden Sexualität zurechtzurücken, soll jetzt noch mit einigen Mythen aufgeräumt werden:
Falsch: Ein richtiger Mann kann immer!
Richtig: Auch ein potenter Mann kann nicht immer!
Falsch: Nur Geschlechtsverkehr ist richtiger Sex.
Richtig: Es gibt auch einen Orgasmus ohne Geschlechtsverkehr.
Falsch: Je größer der Penis, desto befriedigter die Partnerin.
Richtig: Die Technik macht den Unterschied!
Falsch: Beide Partner müssen gleichzeitig zum Höhepunkt kommen.
Richtig: Wenn es geht, ist es schön, aber bloß keinen Stress deshalb!
Falsch: Impotenz ist im Alter unvermeidlich.
Richtig: Viele alte Menschen beweisen das Gegenteil.
Falsch: Sex ist nichts mehr für ältere Menschen.
Richtig: Sex kann man haben, solange es Spaß macht, also auch noch mit 120 ;-)
Falsch: Ohne Erektion/Ejakulation gibt es keinen Orgasmus.
Richtig: Auch Männer ohne Erektion oder Samenerguss sind orgasmusfähig!
(in Anlehnung an Selbsthilfegruppe Impotenz)

Abb. 1