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Behandlung des Prostatakrebses im Frühstadium an der urologischen Abteilung des Landeskrankenhauses Vöcklabruck

Prostatakrebs ist leider zum häufigsten Tumor des Mannes geworden. Laut Statistik Austria erkranken in Oberösterreich jährlich rund 1.000 Männer neu an Prostatakrebs. Um den Prostatakrebs heilen zu können setzt man voraus, dass der Tumor die Organgrenzen noch nicht überschritten hat. Dies erreichen wir aber nur, wenn sich die Männer einer regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung unterziehen, welche schließlich bei Vorliegen eines Karzinoms zur Früherkennung desselben führt. Die Vorsorgeuntersuchung sollte aber bereits ab dem 45. Lebensjahr erfolgen, wenn eine positive Familienanamnese, das heißt der Vater, Onkel, Cousin, Geschwister einen Prostatakrebs aufweisen, bereits ab dem 35. - 40. Lebensjahr erfolgen.

Die Vorsorgeuntersuchung beinhaltet eine Abtastung der Prostata über den Enddarm, eine Blutabnahme zur PSA-(prostataspezifisches Antigen) Bestimmung und eine Ultraschalluntersuchung der Prostata. Die endgültige Diagnose kann aber nur durch eine Gewebsentnahme über den Enddarm oder durch den Damm erstellt werden.

Die Probeentnahme (Biopsie) wird in örtlicher Betäubung gemacht, es werden 8-14 Proben je nach Größe der Prostata entnommen. Der Patient kann einige Stunden nach der Probenentnahme wiederum das Krankenhaus verlassen. In gezielten Fällen wird die Probeentnahme mit Hilfe der Farbdopplersonographie mit Kontrastmitteldarstellung des verdächtigen Prostatabezirkes entnommen, womit man mit weniger Probenentnahmen eine bessere Erfolgsquote im Nachweis des Karzinoms erreichen kann.

Wenn das Ergebnis der Probeentnahme einen sogenannten Gleasonscore unter 7 ergibt und das PSA unter 10 ng/ml liegt kann ohne weitere Staginguntersuchungen eine Therapieentscheidung getroffen werden. Bei einem Gleasonscore über 7 und einem PSA Wert über 10 ng/ml sind weitere Staginguntersuchungen (Knochenszintigraphie, Cholin-PET-Scan) erforderlich.

Therapieoptionen sind die Radikaloperation der Prostata, die externe Strahlentherapie der Prostata oder die sogenannte Brachytherapie (Spickung der Prostata mit radioaktivem Material).

Die besten Langzeitergebnisse zeigt eindeutig die Radikalentfernung der Prostata mit Samenbläschen (radikale Prostatovesiculektomie)

An unserer Abteilung wird die Entscheidung zur Radikaloperation dem Patienten dann geraten wenn er in einem guten biologischen Allgemeinzustand ist, mindestens eine
10-jährige Lebenserwartung aufweist und sonstige Erkrankungen (z. B. Herzerkrankungen) keine Kontraindikation gegen den Eingriff ergeben.

Operatives Vorgehen
Der Eingriff wird bei uns zur Zeit schwerpunktmäßig zunehmend über die sogenannte Schlüssellochchirurgie (Laparoskopie) durchgeführt. (Abb1 und Abb. 2)

Bei Patienten die ein hohes PSA deutlich über 15 ng/ml und einen Gleasonscore über 7 aufweisen wird der Eingriff nach wie vor über einen Unterbauchschnitt mit ausgedehnter Entfernung der Beckenlymphdrüsen vorgenommen.

Bei der Schlüssellochchirurgie (endoskopisch,  extraperitonealen, radikalen Prostatektomie -EERPE) erfolgt der Zugang über einen 12 mm Schnitt im Nabelbereich und vier weitere 5 mm Einschnitte im Unterbauch, wobei die Bauchhöhle selbst nicht eröffnet wird sondern man geht zwischen Bauchfell und Bauchwand und zwischen Blasenvorderwand und Bauchwand zur Prostata (Abb.3). Bei der Präparation ist es durch die 7- bis15-fache Vergrößerung durch die Optik möglich das für die Potenz verantwortliche Gefäßnervenbündel, das knapp an der Prostatakapsel entlang zieht, zu erhalten. Außerdem spielen diese Nervenfasern auch eine wesentliche Rolle für die Erhaltung der Kontinenz. Ein weiterer Vorteil der Schlüssellochchirurgie ist der wesentlich geringere Blutverlust und die schnellere Rekonvaleszenz des Patienten. Die Prostata wird durch eine Erweiterung des Stichkanals der Optik um etwa 2 cm durch diesen in einem Bergesack entfernt. Die Wiederherstellung der Anastomose (Verbindung) zwischen Blasenhals und Harnröhre erfolgt bei der Schlüssellochchirurgie durch eine fortlaufende Naht, was nach dem Eingriff die schnellere Entfernung des Dauerkatheters ermöglicht (Abb. 4 und Abb.. 5).
Der Patient kann am Tag nach dem Eingriff bereits trinken und meistens am 2. Tag nach dem Eingriff  bereits wieder essen. Am 3. oder 4. Tag nach dem Eingriff wird eine Röntgenkontrolle der Blase mit Kontrastmittel gemacht und wenn sich kein Leck zwischen Blasenhals und Harnröhre zeigt der Dauerkatheter entfernt. Die Patienten können dann bereits 2-3 Tage später die Abteilung wieder verlassen und können dann bereits mit der Behandlung mit Viagra oder einem der Nachfolgepräparate beginnen, wobei sie aber mit dem Versuch einen Geschlechtsverkehr auszuüben noch 3-4 Wochen warten sollten.

Mit dieser subtilen Präparationstechnik können bei Männern unter dem 50. Lebensjahr Potenzraten um 90 % zwischen 50 und 60 Jahren um 70% erhalten werden. Diese Zahlen erreicht man aber nur bei Erhaltung beider Gefäßbündel, wenn nur eines erhalten wird sinkt die Potenzrate drastisch um 50 % ab. Für die Lebensqualität des Patienten ist nicht nur die Potenz entscheidend, sondern natürlich auch die Erhaltung der Kontinenz, die bei Schonung des Gefäßnervenbündels in 90-95 % erhalten werden kann. Aber auch im Falle einer postoperativen Harninkontinenz gibt es heute ausgezeichnete Therapiemöglichkeiten.

Für die Lebensqualität des Patienten ist es heute wichtig nicht nur den Tumor mit einer niedrigen Morbidität und Mortalität zu entfernen, sondern auch die Funktion des Schließmuskels und der Erektion zu erhalten (W. Horninger, Innsbruck).

Prostata vor Operation
Abb. 1

Prostata nach Operation
Abb. 2

Bild aus dem Operationssaal
Abb. 3

schematische Darstellung: Wiederherstellung der Anastomose (Verbindung) zwischen Blasenhals und Harnröhre durch eine fortlaufende Naht
Abb. 4

Blick durch das OP-Mikroskop: Wiederherstellung der Anastomose (Verbindung) zwischen Blasenhals und Harnröhre durch eine fortlaufende Naht
Abb. 5