Bettnässen – Enuresis nocturna
Warum sind einige Kinder nachts nicht trocken?
Es ist wenig bekannt, dass jedes 7. Kind im ersten Schuljahr unter nächtlichem Einnässen (Enuresis nocturna) leidet und immerhin 5 % der 10-jährigen und 1 % der Erwachsenen sind noch von diesem Problem betroffen. Diese Kinder werden in der kinderurologischen Ambulanz der Urologie des LKH Vöcklabruck betreut.
Die an Enuresis leidenden Kinder haben nicht gelernt das Signal einer vollen Blase wahrzunehmen, sondern schlafen einfach weiter, auch wenn das Bett nass ist.
Umfragen zufolge stellt auch heute noch das nächtliche Einnässen ein Tabuthema dar, wobei ein Großteil bei der Frage ab wann ein Kind als Bettnässer bezeichnet wird weit außerhalb der internationalen Definition.
Definition
Unter Enuresis versteht man das nächtliche Einnässen während mindestens zweier Nächte im Monat nach dem 5. Lebensjahr bei unauffälligem Miktionsverhalten während des Tages. Die Blasenentleerung ist koordiniert, erfolgt aber zum falschen Zeitpunkt. Definitionsgemäß unterscheiden wir heute zwischen Enuresis (monosymptomatisches nächtliches Einnässen) und Harninkontinenz (unfreiwilliger Harnabgang während des Tages).
Eine primäre Enuresis (in 70 % der Fällen) besteht, wenn das Kind noch nie trocken war, unter einer sekundären Enuresis verstehen wir ein bettnässendes Kind, das früher einmal über mindestens 6 Monate trocken war.
Wann soll mein Kind trocken sein?
Die Blasenentleerung ändert sich innerhalb der ersten Lebensjahre. Von einer rein reflektorischen Entleerung beim Neugeborenen mit einer hohen Miktionsfrequenz von ca. 24 mal /24 Std. sinkt diese innerhalb der ersten 3 Lebensmonate mit steigender Blasenkapazität auf ca. 12 mal /24 Std.. Bis zur Entwicklung der willkürlichen Blasenentleerung wird die Zeitspanne vom Neugeborenen zum Schulkind angegeben.
Zwischen dem ersten und zweiten Lebensjahr entwickelt sich das Gefühl für Blasenfüllung und Harndrang, beides Voraussetzungen und der erste Schritt für Willkürsteuerung der Blase, welche normalerweise erst um das 4. Lebensjahr vollständig erreicht wird. Da die reife Miktion schließlich um das 4. Lebensjahr erfolgt, sollte man erst ab dem 5. Lebensjahr von einer Enuresis im Sinne eines krankhaften Befundes sprechen.
Ursachen
- Primäre Enuresis:
- Gestörte Reifung von Nervenstrukturen, welche für die Blasenentleerung wichtig sin
- Hormonmangel-Zustände eines für den Wasserhaushalt wichtigen Hormons (ADH
- psychogene Störunge
- familiäres Risiko
- neurogene Entleerungsstörungen (häufigste Ursache: Fehlbildungen im Bereich der Wirbelsäule – offener Rücken)
- Sekundäre Enuresis:
- Harnwegsinfekte
- Familiäre, schulische, etc. Umstrukturierungen , d.h. psychische Faktoren
Diagnostik
Die Basisdiagnostik bei einer Enuresis nocturna umfasst neben einem genauen Gespräch in dem familiäre und soziale Verhältnisse sowie Eltern/, Geschwister/, Kind-Beziehungen berücksichtigt werden, das Erfassen urologischer und neurologischer Vorerkrankungen, die Frage nach dem Stuhlverhalten sowie nach regelmäßiger Medikation, außerdem eine körperliche Untersuchung durch die urologische Fachärztin/den urologischen Facharzt.
Neben der Anamnese ist das Blasentagebuch, welches die Bewertung der Blasenkapazität zulässt und Aufschluss über die Tages- und Nachtharnmenge gibt besonders wichtig, wobei Aufzeichnungen über die Trinkzeiten und Trinkmengen dieses vervollständigen. Ein solches Blasentagebuch sollte kontinuierlich über mindestens 2 mal 24 Std., am besten über das Wochenende durchgeführt werden.
Die Untersuchung des Harns sowie eine Ultraschalluntersuchung von Blase und Niere gehören zum festen Bestandteil einer Enuresis - Abklärung. Zudem sollte mehrfach eine Restharnmessung durchgeführt und die Blasenwanddicke bestimmt werden.
Die gezielte klinisch-urologische Untersuchung ist im Allgemeinen ausreichend um die Enuresis zu definieren und Hinweis über die zugrunde liegenden Ursachen und damit zweckmäßigen Therapiemaßnahmen zu erhalten.
Enuresis nocturna in Kombination mit Blasenentleerungsstörungen und rezidivierenden Harnwegsinfekten, insbesondere Kinder welche nach dem 4. Lebensjahr noch regelmäßig tagsüber einnässen (Harninkontinenz), bedürfen einer umfassenden Abklärung durch eine kinderurologisch tätige/tätigen Fachärztin/Facharzt in Zusammenarbeit mit Kinderfachärztinnen-/ und fachärzten um zugrunde liegende Fehlbildungen und schwerwiegende organische Erkrankungen des Urogenitaltraktes auszuschließen und gegebenenfalls behandeln zu können.
Rechtzeitiges Erkennen kann bei diesen Kindern einen schweren Krankheitsverlauf der letztlich zur dauerhaften Schädigung der Nieren führen kann verhindern.
Therapie
Nach erfolgter Diagnostik muss für das betroffene Kind individuell aus verschiedenen Therapiemöglichkeiten entsprechend ausgewählt werden. Nicht außer Acht gelassen werden darf die jährliche Spontanheilungsrate der Enuresis nocturna um 15 % liegt.
Neben Information und Motivation steht eine Verhaltenstherapie, Beckenbodentraining, Biofeedback, Blasentraining sowie medikamentöse Maßnahmen und außerdem Blasenkonditionierungstraining durch Weckapparate und kinderpsychologische Betreuung zur Verfügung. Während der Behandlung sind regelmäßige Kontrollen und Rückfragen bei der urologischen Fachärztin/ dem urologischen Facharzt zur Überwachung des Therapieverlaufs notwendig.